Niederrhein – Idyllen am Fluss

Deutschland
/
Niederrhein/Ruhrgebiet
167 km

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Beschreibung

Typisch Niederrhein: Hier ist es der Fluss, der die Stimmung prägt. Der breite, schnell dahinfließende Strom weckt Fernweh. Und Sehnsucht. Seine stillen Seitenarme hingegen lassen eine ganz eigenartige, heimelige, feucht-modrige Stimmung aufkommen. So wird eine Tour am Niederrhein zu einer faszinierenden Mischung. Zu einer Mischung aus roten Backsteinen, dörflichen Idyllen, stillen Wassern und einsamen Sträßchen. Eine Tour, die viel fürs Auge tut. Denn wie sagte doch der Kabarettist Hans-Dieter Hüsch über seine Heimat: »Man muss nur richtig hingucken, sag ich immer. Es gibt doch auch so Menschen, deren Schönheit sieht man erst, wenn man länger hinguckt. Ne, sagt man dann plötzlich, Donnerwetter, das hätt ich nicht gedacht, und so ist das auch am Niederrhein.« Autobahn A 57, Ausfahrt Alpen. Der Name klingt verwegen angesichts des Hauchs von einem Hügel, der die Lage des Ortes andeutet. Aber so isser halt, der Rheinländer. Freut sich über jede Erhebung. Wir klinken uns auf die B 58 nach Büderich und Wesel ein. Nichts Besonderes. Es geht geradeaus. Links und rechts fliegen große Getreidefelder vorüber. Auch Alleenbäume sind dabei. Büderich gefällt mit einer Doppelreihe Platanen, die allerdings noch wachsen müssen. Auf einer mächtigen Stahlbrücke überqueren wir den Rhein, werfen schon mal einen Blick auf den Turm von Wesels Willibrordi-Kirche und folgen der Ausschilderung zur Stadtmitte. Dabei schlüpfen wir durch die massive Stadtmauer, die zusammen mit der Willibrordi-Kirche das einzige historische Überbleibsel Wesels bildet. Die Innenstadt, durch die wir nun rollen, ist geprägt durch den Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg. Zweckbauten, die mit ihren roten Backsteinfassaden immerhin eine gewisse Freundlichkeit ausstrahlen und einige nette Cafés beherbergen. Der Abzweig in Richtung Jachthafen und Ausee bringt uns hinab zum Rhein. Ein Abstecher in die Fluss-Idylle. Ein gepflasterter Fahrweg schlängelt sich am Ufer entlang und hält großartige Ausblicke bereit. Das Café-Restaurant Zum Jachthafen lädt auf seiner Terrasse zum ersten Stopp des Tages ein. Insgesamt ein gelungener Start. Zurück auf der B 8 nehmen wir Kurs auf Flüren, fahren an dem Ort vorbei und dringen dann in die Welt der Altrhein-Arme ein. Ausschilderung Bislich. Auf einem schmalen, leicht kurvigen und mit einer griffigen Asphaltdecke versehenen Sträßchen geht es an stillen Gewässern entlang. Bei diesen Altrhein-Armen handelt es sich um Wasserläufe, die der Hauptstrom irgendwann links liegen ließ. Jetzt sind es wahre Oasen der Ruhe. Trauerweiden hängen ihre Äste ins Wasser, Kühe grasen am Ufer, Angler warten auf Kundschaft. In Bislich sollte man den kurzen Abstecher hinab zur Rheinfähre nicht auslassen. Der Anleger ist zwar nicht bewirtschaftet, man kann sich jedoch gemütlich eine Weile ins Gras setzen und den Schiffen zusehen. Ein leicht zu übersehendes Schild weist in Bislich den Weg nach Rees. Die Fahrbahn entfernt sich nun etwas vom Rhein. Ein Stück vor Rees besteigt sie dann den Deich und folgt auf den nächsten Kilometern seiner Krone. Der Ausblick ist nicht von schlechten Eltern. Auf der linken Seite der Rhein, rechts Bauernhöfe. Leichte Wechselkurven, Tempo 70. Schneller geht es ohnehin kaum. Man würde ja sonst das Panorama verpassen. In Rees steht der Besuch des Ortskernes auf dem Programm. Sehr schön gemacht mit Kopfsteinpflaster und mehreren Cafés und Restaurants. In der Mitte gibt es Parkplätze fürs Motorrad, die Besatzung darf sich einen der vielen Café-Stühle aussuchen. Wer direkt am Wasser pausieren möchte, sollte noch ein Stück weiterrollen bis zum Café Rheinterrassen. Dort sitzt man bei ausgezeichnetem Kaffee und Kuchen und kann in aller Ruhe die Rheinkähne beobachten. Es ist schon erstaunlich, was da alles seinen Weg Richtung Nordsee oder Ruhrgebiet findet: Gas, Kohle, Schutt, Autos. Schiebt sich ein Frachtverband beladen flussaufwärts, dauert es eine halbe Tasse Kaffee, bis er vorbei ist. Im Fußgängertempo von Rotterdam nach Duisburg. Es riecht nach Fluss und Cappuccino. Kurz vor der Rheinbrücke zweigt die Route rechts ab nach Grietherort. Wieder Altrhein, wieder Deichkronen, wieder Bauernhöfe. Wie Stricknadeln bewegen sich die Mastspitzen der Schiffe durchs Gelände. Ein paar leichte Schräglagen, dann fädeln wir uns bei Bienen auf die B 8 ein. Nächste Station Emmerich. Die Stadt ist ein kompliziertes System aus Einbahnstraßen und Fußgängerzone. Lässt man diese rechter Hand liegen, gelangt man zur Rheinpromenade, wo ein Parkplatz und mehrere schattige Bänke warten. Zu Fuß sind es nur ein paar Meter bis zu den Emmericher Straßencafés, die einen Ausblick auf den Fluss bieten. Die wahre Attraktion Emmerichs erreicht man auf der B 220 Richtung Kleve: die 1.187 Meter lange Hängebrücke. Die 12.500 Tonnen schwere Konstruktion wird von insgesamt 122 Tragseilen gehalten. Als Einzeldrähte aneinandergelegt ergäben sie eine Länge von ca. 10.000 Kilometern. Gleich hinter der Brücke folgen wir dem Schild rechts ab nach Griethausen. Breiter, ordentlicher Asphalt. In Griethausen fahren wir über eine schmale Brücke und sehen auf der linken Seite einen Altrhein-Arm, der von einer ehemaligen Eisenbahnlinie überquert wird. Heute rollen auf der alten Trasse Fahrradreifen, die Natur holt sich ihr Revier wieder zurück. Geradeaus weiter führt die Straße an einer Industrieanlage vorbei zum Rhein. Man fährt unter Alleenbäumen dicht am Ufer entlang, betrachtet den Schiffsverkehr und genießt die etwas weltentrückte Stimmung in dieser Ecke. Auf der Rückfahrt zweigt hinter der Industrieanlage rechts ab der Weg nach Schenkenschanz. Altrhein pur. Diese Etappe ist in puncto Stimmung das absolute Glanzlicht der heutigen Tour. Das enge Sträßchen nimmt vollständig die Dammkrone ein. Flankiert wird es von Zäunen, die verhindern sollen, dass die schwarzweißen Kühe auf die Fahrbahn traben. Ein kleiner Jachthafen kommt in Sicht. Von dort aus tuckern die Boote gemütlich zum Hauptrhein vor. Was für ein Bild: Motor- und Segeljachten inmitten von Wiesen, Rindviecher auf Augenhöhe mit Freizeitkapitänen. partout nicht aufs Wasser wagt, kann die Alternativstrecke fahren. Die führt von Griethausen aus nach Brienen und von dort über Wardhausen weiter nach Düffelward. Ihr Markenzeichen: Völlig unbekannt und stellenweise mit nur einer Fahrbahn bedacht. In Düffelward rechts ab nach Keeken. Dort links weiter in Richtung Niel/Kranenburg. Nun folgt die Landetappe dieser Tour. Die Straße fädelt einen Bauernhof nach dem anderen auf, windet sich zwischen Kartoffeläckern und Getreidefeldern hindurch und gibt der Nase reichlich Gelegenheiten, sich an die unterschiedlichsten Duftmarken der Landwirtschaft zu gewöhnen. Die letzten zweieinhalb Kilometer bis Kleve benützen wir die B 9. Kleve, dessen Namen auf den Begriff »Kliff« hinweist, begrüßt uns mit seinem farbenfroh angelegten Tierpark. Überragt wird die Stadt von der Schwanenburg. Die aus dem 11./12. Jahrhundert stammende Anlage bekam ihr jetziges Gesicht im 17. Jahrhundert. Sie zählt zu den beiden einzigen Höhenburgen am ansonsten topfebenen Niederrhein. Nur über einen steilen Fußweg zu erreichen, scheidet sie als Besichtigungspunkt leider aus. Der Weg nach Kalkar führt über historischen Boden: Unsere beiden Räder rollen auf der ehemaligen Via Romana. Zwar ist von den antiken Steinquadern heute nichts mehr zu sehen, doch kann man an dem schnurgeraden Verlauf der Straße erkennen, dass die Römer damals immer die direkte Verbindung zwischen zwei Punkten suchten. Linker Hand blitzen die Mauern von Schloss Moyland durch den Wald. Auf seinem Parkplatz wartet ein Informationszentrum über das Schloss und die vorbeiführende Römerstraße. Dann taucht der Kreisverkehr von Kalkar vor dem Lenker auf. Die Stadtmitte ist ausgeschildert, und wir finden dort den städtebaulichen Höhepunkt des heutigen Tages vor. Der mittelalterliche Kern Kalkars ist nahezu naturgetreu erhalten. Im Quadrat rahmen gotische Giebel den Marktplatz ein, das prachtvolle Rathaus war zu seiner Bauzeit 1440 das größte nördlich von Köln. Heute ist sein Superlativ eher kulinarischer Natur: Auf der Terrasse des Ratskellers kann man bei leckerem Essen den Charme Kalkars auf sich wirken lassen. Der Tipp danach heißt Kalkarer Mühle. Sie ist am Marktplatz ausgeschildert und liegt ein paar hundert Meter entfernt. Der »Gallerieholländer« mahlt das Getreide in alter Tradition. In der Backstube gegenüber wird das Mehl zu Vollkornbrot verarbeitet, von dem man sich unbedingt ein paar Scheiben für den Nachhauseweg abschneiden lassen sollte. Auf breitem, gut ausgebautem Asphalt geht es in Richtung Rees. Kurz vor der Rheinbrücke folgt die Strecke der Ausschilderung Nieder- und Obermörmter. Wir ziehen flott durch prächtige Alleen und riskieren durchaus die eine oder andere Schräglage. Vorbei am Xantener Nord- und Südsee, den Badewannen des Niederrheins, laufen wir in der alten Römerstadt Xanten ein. Ein schmales Ringsträßchen führt einmal um den historischen Stadtkern herum und gibt mehrere Zugänge zum Xantener Dom frei. Zuletzt streift es eine in die Stadtmauer integrierte Windmühle mit angeschlossenem Parkcafé. Ein weiteres Muss für Xanten ist sein Archäologischer Park, in dem eine Römerstadt originalgetreu aufgebaut wurde. Die heutige Abschluss-Cola nehmen wir am Café Zur Rheinfähre ein. Es liegt bildhübsch direkt am Anleger der Fähre hinüber nach Bislich. An schönen Wochenenden stehen ständig mehrere Dutzend Motorräder davor. Den Sonnenuntergang genießen, mit den Kollegen plaudern – schöner kann ein Motorradtag kaum zu Ende gehen. Der Abzweig zum Café befindet sich in Xanten an der B 57 und ist beschildert. Zurück zum Ausgangspunkt unserer Runde geht es über Sonsbeck und die Sonsbecker Schweiz (beschildert). Viel Wald, ein paar Hügel. Für die Rheinländer eben die Schweiz.

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